Die Kluft zwischen Wissenschaft und Industrie überbrücken: Erkenntnisse aus der PROMOS-Allianz
Trotz kontinuierlicher wissenschaftlicher Fortschritte bleibt die Kluft zwischen Wissenschaft und Industrie eine der hartnäckigsten Herausforderungen im Innovationsökosystem der Lebenswissenschaften. Vor diesem Hintergrund hat sich das PROMOS-Projekt zum Ziel gesetzt, diese Hindernisse aktiv anzugehen, indem es den Dialog, die Zusammenarbeit und konkrete Verbindungen zwischen Forschern, Unternehmen, Klinikern und politischen Entscheidungsträgern fördert. Im Rahmen einer Reihe gezielter Networking-Veranstaltungen hat die PROMOS-Allianz sowohl die strukturellen Herausforderungen als auch praktische Lösungsansätze untersucht, um die Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Anwendungen zu beschleunigen.
Die von den PROMOS-Partnern und Stakeholdern gewonnenen Erkenntnisse bestätigen, dass die Kluft zwischen Wissenschaft und Industrie nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen ist, sondern auf eine Kombination struktureller und kultureller Ursachen. Eine zentrale Herausforderung liegt in der Diskrepanz zwischen Anreizsystemen und Denkweisen. Akademische Karrieren werden nach wie vor weitgehend von Veröffentlichungen und wissenschaftlicher Anerkennung bestimmt, während sich die Industrie auf marktfähige Lösungen und deren wirtschaftlichen Erfolg konzentriert. Dieser Unterschied führt häufig zu unterschiedlichen Prioritäten, Zeitplänen und Erwartungen.
Ein weiteres wesentliches Hindernis ist das begrenzte gegenseitige Verständnis zwischen den beiden Bereichen. Forschende sind sich der Bedürfnisse der Industrie und der Entwicklungsprozesse von Produkten möglicherweise nicht ausreichend bewusst, während Unternehmen das Potenzial der akademischen Forschung häufig unterschätzen.
Die Stakeholder hoben zudem die Auswirkungen organisatorischer und systemischer Hürden hervor. Dazu zählen komplexe Verwaltungs- und Regulierungsverfahren, Herausforderungen beim Management geistigen Eigentums sowie das Fehlen spezieller Finanzierungsmechanismen für eine nachhaltige Zusammenarbeit.
Schließlich schränkt das Fehlen gemeinsamer Einrichtungen wie gemeinsamer Labore oder Coworking-Spaces die Möglichkeiten für einen kontinuierlichen Austausch ein. Wie mehrere Teilnehmende betonten, sollte Zusammenarbeit nicht nur punktuell stattfinden, sondern fester Bestandteil der täglichen Praxis sein und bereits in den frühen Phasen der Forschung aufgebaut werden.
Neben diesen Herausforderungen formulierten die Stakeholder eine Reihe konkreter Empfehlungen zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie. Ein wiederkehrendes Thema war die Notwendigkeit, von isolierten Initiativen zu integrierten Innovationsökosystemen überzugehen. Dazu gehören gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprogramme, industrielle Promotionen, gemeinsam genutzte Forschungsinfrastrukturen, Kooperationslabore sowie die Beteiligung an grenzüberschreitenden und EU-Initiativen, um die Innovationskraft zu erweitern.
Die Stakeholder betonten außerdem die Bedeutung einer stärker wirtschaftsorientierten Kultur innerhalb der Wissenschaft. Dies kann durch gezielte Schulungen, Bootcamps und Bildungsinitiativen zu Produktentwicklung, regulatorischen Verfahren und Marktzugang erreicht werden – insbesondere in stark regulierten Bereichen wie der Medizinproduktebranche.
Schließlich ist es weiterhin entscheidend, die Qualität und Häufigkeit persönlicher Interaktionen zu verbessern. Persönliche Treffen, Workshops und informeller Austausch spielen nach wie vor eine entscheidende Rolle beim Aufbau von Vertrauen, der Abstimmung von Erwartungen und der Förderung langfristiger Partnerschaften.
Die Überbrückung der Kluft zwischen Wissenschaft und Industrie ist kein einmaliger Schritt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der Abstimmung, Vertrauen und eine gemeinsame Vision erfordert. Die PROMOS-Allianz zeigt, dass durch die Kombination von Vernetzung, Fördermöglichkeiten und sektorübergreifendem Dialog Fortschritte auf dem Weg zu einem stärker integrierten Innovationsökosystem möglich sind. Die Stärkung der Zusammenarbeit, die Förderung des gegenseitigen Verständnisses und die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für den Austausch sind entscheidend, um wissenschaftliche Exzellenz in konkrete gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirkung zu überführen.
Um neue Kooperationen aktiv zu fördern, hat die PROMOS-Allianz außerdem eine spezielle Stakeholder-Datenbank entwickelt, in der Fachkenntnisse, Bedarfe und Kooperationsinteressen erfasst werden. Dieses Instrument soll Forschenden, Unternehmen und Institutionen dabei helfen, potenzielle Partner zu identifizieren und neue Möglichkeiten für gemeinsame Initiativen zu erschließen. Die Datenbank ist hier zugänglich: Database PROMOS
Wenn Sie in die Datenbank aufgenommen werden möchten, wenden Sie sich bitte an: grants@icgeb.org
